Vom Siegermuni bis zum Schaf: Sind Lebendpreise noch zeitgemäss?
Der Kilchberger Schwinget hat eine alte Tradition des Schwingsports ein weiteres Mal ins Rampenlicht gerückt: die Vergabe von Lebendpreisen. Tiere gehören seit Jahrhunderten zum Gabentempel. Für viele Schwinger und Fans sind solche Preise Ausdruck der Verbundenheit des Schwingsports mit Landwirtschaft, Brauchtum und ländlicher Kultur. Aus Sicht des Schweizer Tierschutzes STS wirft diese Tradition jedoch nach wie vor Fragen zum Tierwohl auf.
Lebendpreise haben im Schwingen eine lange Geschichte. Wie der Eidgenössische Schwingerverband erklärt, lässt sie sich bis ins 13. Jahrhundert zurückverfolgen – schon damals erhielten die besten Schwinger Naturalpreise. Im Laufe der Zeit wurden diese immer grösser und wertvoller: Während der Sieger des Eidgenössischen Schwing- und Älplerfests 1926 noch ein Schaf gewann, wartete 1961 bereits ein Rind auf Schwingerkönig Karl Meli. Bis heute werden an vielen Schwingfesten Nutztiere als Preise vergeben. Oft erhalten nicht nur die Festsieger, sondern mehrere rangierte Schwinger einen Lebendpreis.
Tradition ja, aber …
Der Schweizer Tierschutz STS anerkennt, dass Lebendpreise im Schwingsport nach wie vor verbreitet sind, beurteilt diese Tradition jedoch kritisch. Tiere sind keine Pokale oder Trophäen, sondern Lebewesen mit eigenen Bedürfnissen. Solange an dieser Tradition festgehalten wird, müssen Würde und Wohlergehen der Tiere vor, während und nach dem Schwingfest jederzeit gewährleistet sein. Aus Sicht des STS stellen etwa Transporte, ungewohnte Umgebungen, Lärm und die Präsentation vor grossem Publikum eine Belastung für die Tiere dar.
Die Verantwortung endet nicht mit dem Fest
Besonders wichtig ist für den STS, was nach dem Anlass geschieht. Werden Tiere als Preise vergeben, muss sichergestellt sein, dass sie an einen geeigneten Platz gelangen und dort tiergerecht gehalten werden. Die Veranstalter tragen dabei Mitverantwortung. Sie sollten sicherstellen, dass die Tiere nur an Personen oder Betriebe vermittelt werden, die über die nötigen Fachkenntnisse und geeignete Haltungsbedingungen verfügen.
Tradition und Tierwohl zusammenbringen
Gleichzeitig sollte aus Sicht des STS geprüft werden, wie diese Tradition tiergerechter gestaltet und weiterentwickelt werden kann. Wo Tiere Teil des Gabentempels bleiben, müssen ihre Bedürfnisse jederzeit im Vordergrund stehen. Haltung, Betreuung, Präsentation und spätere Platzierung der Tiere sollten konsequent am Tierwohl ausgerichtet werden.
